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Archive for the ‘Mauer’ Category

Vor ein paar Tagen kam es an der israelisch-libanesischen Grenze zu einem Schusswechsel mit mehreren Toten. Israel sagt, der Baum, der gestutzt werden sollte, habe zwar jenseits des Zaunes, aber noch auf israelischem Gebiet gestanden. Die libanesische Armee hätte also auf keinen Fall schießen dürfen. Böse Libanesen!

Wirklich? Wie ist das an der Green Line, zwischen Israel und der Westbank? Die Mauer, gebaut von den Israelis, steht weitgehend auf palästinensischem Gebiet, mit reichlich Platz zwischen ihr und der tatsächlichen Grenze. Ganze Dörfer sind da eingeschlossen. Jedoch steht es den Palästinensern keineswegs frei, sich dort zu bewegen – auf sie würde geschossen oder sie würden festgenommen. Böse Israelis? Aber nicht doch, das darf man ja nicht mal denken.

Anderes Beispiel: Muslime haben die Frechheit, in New York, ein Stück weit neben dem ehemaligen WTC, ein islamisches Zentrum einrichten zu wollen. Rechtlich einwandfrei, wie die Stadt und auch der Bürgermeister feststellten. Jedoch Protest von ADL und auch vom Simon-Wiesenthal-Zetrum: wie man so unsensitiv sein könne! Fies, wirklich, diese Muslime.

Wirklich?

In Jerusalem finanziert eben dieses Simon-Wiesenthal-Zentrum ein „Museum der Toleranz“. Ok, warum nicht. Schönheitsfehler: das Grundstück, auf dem dies entstehen soll, ist ein alter palästinensischer Friedhof. Etliche Familien haben daher bei der UN eine Petition eingereicht. Israelische Begründung, warum dort gebaut werden darf: das Gräberfeld, dort seit dem 12. Jahrhundert gelegen, sei „illegal“. Hony soit qui mal y pense ….

Und dann fragen sich manche Leute im Westen: warum hassen sie uns? Völlig unverständlich, wirklich.

Mit Dank an Gideon Levy und Daniel Tencer

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Am südwestlichen Rand Jerusalems liegt das kleine Dorf Walajeh. Nur, wie lange noch? Schon seit langem verlor es immer wieder Teile des zum Dorf gehörenden Landes – die jetzt begonnene Einkreisung mit dem sogeannten „Sicherheitszaun“ der Israelis könnte auf die Dauer ein Leben dort unmöglich machen.

Obwohl schon vor sechs Jahren der Internationale Gerichtshof festgestellt hat, dass der Bau dieses Zaunes – Mauer in städtischen Gebieten – rechtswidrig sein, vor allem, weil er auf dem Gebiet der Westbank errichtet wird, diesseits der Grünen Linie, wird weiter gebaut, Häuser zerstört, Land gestohlen, Olivenbäume vernichtet.

36 Dörfer, 9,4 % des Landes der kleinen Westbank liegen – wenn Israel seinen Bau beendet – zwischen der Grünen Linie und diesem Schandmal. Die Menschen dort sind nach beiden Seiten abgeschnitten, Tore in der Mauer sind unregelmäßig geöffnet, Zugang zu Feldern von beiden Seiten nicht immer und nur unter Schikanen möglich. Israel versucht hier, weitere Tatsachen zu schaffen, bei Verhandlungen möglichst viel des Landes als faktisch nicht rückgabefähig deklarieren zu können.

Walajeh ist wohl mit der schlimmste Fall – wer soll da noch leben wollen, wenn nach allen Seiten sich Zaun und Mauer erheben? Die jüngeren werden wohl alle abwandern. Derzeit gibt es einen kurzen Baustopp – ein Mann klagt dagegen, dass er nicht nur seine Olivenbäume verloren hat, sondern nun auch noch die Gräber seiner Großeltern geschändet werden sollen. Aber das wird wohl kaum etwas helfen.

Ein weiteres palästinensisches Dorf stirbt, leise, langsam. Die Welt schaut zu.

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